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Die Hauptschule richtet eine Ganztagsklasse ein
(Pressebericht PNP vom 24.03.2007)

„Wenn man die Hauptschule jetzt nicht inhaltlich reformiert, dann wird es sie bald nicht mehr geben.“ So deutliche Worte fand Schulrat Heinz Fuchs, als er dem Schulverband das Konzept der Ganztagsklasse näher brachte.
Schwache Schüler können durch Ganztags-Unterricht ihre Noten und ihre Sozialkompetenz steigern, davon ist Fuchs überzeugt. Und diese Förderung sei für manche Schüler auch dringend „nötig, um keine Hartz-IV-Empfänger aus der Schule zu entlassen.“ Die Hauptschule Pocking will zur Ganztagsschule werden - auf freiwilliger Basis. Die Eltern entscheiden, ob ihr Kind ganz- oder halbtags zur Schule geht. Im nächsten Schuljahr soll in der 5. Jahrgangsstufe eine Ganztagsklasse starten. Jedes Jahr soll dann in der 5. eine Ganztagsklasse eingerichtet werden, bis es das Angebot in jeder Jahrgangsstufe gibt. Der Schulverband hat in seiner Sitzung am Donnerstag einstimmig und uneingeschränkt zugestimmt. Schulrat Heinz Fuchs hatte die Vorzüge der Ganztagsklassen - in Passau gibt es sie seit drei Jahren - geschildert. Vier Tage in der Woche sind die Kinder ganztags an der Schule, haben 12 Unterrichtsstunden extra, um Defizite in Mathematik, Deutsch und Englisch auszugleichen. Außerdem wird ihre Sozialkompetenz gesteigert, zum Beispiel durch eine Kooperation mit einem Altenheim, wo die jungen Leute die Senioren besuchen. Und schließlich dient sie der Berufsvorbereitung. Denn für 6000 Euro pro Jahr darf die Schule sich externe Kräfte ins Boot holen, zum Beispiel Schreiner oder Floristen, die die handwerklichen Fähigkeiten der Schüler stärken.



Sind sich einig, dass sie die Ganztagsklasse wollen (v.l.):
Die Bürgermeister Josef Jakob und Alois Bachmeier, Rektor Helmut Gabriel, Schulrat Heinz Fuchs,
Verbandsrat Hans Kojer und Bürgermeister Alois Brundobler.

Foto: Jörg Schlegel

Wirtschaft braucht
auch Hauptschüler

Weitere Beschäftigungen am Nachmittag sind Sport, Musik oder Kunst. Durch all dies soll erreicht werden, dass alles Absolventen der Hauptschule ausbildungsfähig werden und eine Lehrstelle finden. Denn: „Die Wirtschaft wirft den Hauptschulen vor, dass ihre Schüler nicht ausbildungsfähig sind“, weiß Fuchs. Rund 35 Prozent aller Kinder besuchen eine Hauptschule, aufgrund der sinkenden Geburtenzahlen braucht die Wirtschaft auch die Hauptschüler. Darin sieht Fuchs eine Chance. Und diese Chance sehen auch die Vertreter des Schulverbands. „Wenn wir es jetzt nicht schaffen, die so genannte Restschule Hauptschule in ein anderes Licht zu rücken, dann schaffen wir es überhaupt nicht mehr“, betonte Pockings Bürgermeister Josef Jakob. „Wir müssen die Ausbildung an die erste Stelle setzen“, stimmte ihm Bad Füssings Bürgermeister Alois Brundobler zu. Und sein Tettenweiser Amtskollege Alois Bachmeier betonte: „Die Hauptschüler sollen wieder ein anderes Ansehen in der Öffentlichkeit bekommen.“ Handlungsbedarf ist laut Helmut Gabriel, Rektor der Pockinger Hauptschule, vorhanden: Ein „erheblicher Prozentsatz“ der Schüler komme aus einem schwierigen sozialen Umfeld, habe Eltern, die sich durch „Bildungsferne“ auszeichnen. Diese Schüler gelte es gezielt zu fördern. Und dazu brauche man „Personen, Raum und Geld“. Die zwölf zusätzlichen Lehrerstunden können laut Helmut Gabriel mit den vorhandenen Lehrern abgedeckt werden. Was die zusätzlichen Betreuer angeht: „Wir sind gerade dabei, Kontakte im tänzerisch-musischen Bereich zu knüpfen“, erzählt Gabriel. Außerdem will er Vereine und Organisationen wie Jugendrotkreuz und Jugendfeuerwehr mit ins Boot holen. Und Ausschau halten nach weiteren qualifizierten Personen. „Vielleicht findet sich ja ein pensionierter Handwerksmeister“, schwebt dem Rektor vor.

 

Das alles kostet den Schulverband beziehungsweise die Kommune nichts. Anders sieht es hingegen beim Raumbedarf aus. Dadurch, dass die Schülerzahlen zurückgehen, gibt es Vakanzen an der Hauptschule. Aber ob die reichen, steht nicht fest. Die Ganztagsklasse wird auch mal gesplittet, die Schüler je nach Leistungsstand in zwei Gruppen geteilt und von zwei Lehrern unterrichtet. Das funktioniert nicht in einem Klassenzimmer. „Es gibt mehr Stunden, mehr Angebote, also brauchen wir mehr Raum“, ist Rektor Gabriel klar. Bürgermeister Josef Jakob kündigte an, dass es am Raum nicht scheitern wird. Kämmerer Herbert Staudinger sieht da ein zeitliches Problem.

Generalsanierung
des Kollegbaus?

Der Kollegbau der Schule verbraucht mehr Energie als die gesamte restliche Hauptschule. Das beweist ein Wärmegutachten. Was auf alle Fälle passieren muss, ist eine Energiesanierung. Kostenpunkt: rund 300 000 Euro. Schon vor einem dreiviertel Jahr hat Staudinger bei der Regierung einen „Raumprogrammantrag“ gestellt um abzuklären, wie sich der Raumbedarf in der Hauptschule entwickeln wird. Die Schülerzahl ist in den vergangenen drei Jahren um 115 gesunken. Staudinger wollte wissen, ob eine Energiesanierung reicht oder eine Generalsanierung nötig ist. Kosten für die Generalsanierung: drei Millionen Euro. Bis heute hat die Regierung den Antrag nicht bearbeitet, so Staudinger. Der Raumbedarf müsste nun aber noch dringender geklärt werden. Und schnell. „Es gibt eine Sonderförderung für Maßnahmen im Zusammenhang mit Ganztagsschulen. Der Antrag dafür muss aber bis Ende April bei der Regierung sein“, weiß der Kämmerer. Welchen Prozentsatz die Förderung ausmacht, weiß er aber noch nicht. Klar ist nur: Die Baumaßnahme muss bis Ende 2009 realisiert sein, sonst gibt es aus diesem Fördertopf kein Geld. Und auch der Rektor muss sich beeilen. Anfang April muss er seinen Antrag auf Einrichtung einer Ganztagsklasse beim Kultusministerium einreichen. Wie viele Eltern mitmachen, weiß er noch nicht. Die Informationsversammlung zu diesem Thema findet erst am kommenden Dienstag um 18.30 Uhr in der Hauptschule statt. Schulrat Heinz Fuchs riet Gabriel jedenfalls, den Antrag auf alle Fälle zu stellen, auch wenn der genaue Bedarf noch nicht ermittelt ist.

Text: Marion Zauner

 © Hauptschule Pocking