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„Wenn
man die Hauptschule jetzt nicht inhaltlich reformiert, dann wird es sie bald
nicht mehr geben.“ So deutliche Worte fand Schulrat Heinz Fuchs, als er dem
Schulverband das Konzept der Ganztagsklasse näher brachte.
Schwache Schüler können durch Ganztags-Unterricht ihre Noten und ihre
Sozialkompetenz steigern, davon ist Fuchs überzeugt. Und diese Förderung sei
für manche Schüler auch dringend „nötig, um keine Hartz-IV-Empfänger aus der
Schule zu entlassen.“ Die Hauptschule Pocking will zur Ganztagsschule werden
- auf freiwilliger Basis. Die Eltern entscheiden, ob ihr Kind ganz- oder
halbtags zur Schule geht. Im nächsten Schuljahr soll in der 5.
Jahrgangsstufe eine Ganztagsklasse starten. Jedes Jahr soll dann in der 5.
eine Ganztagsklasse eingerichtet werden, bis es das Angebot in jeder
Jahrgangsstufe gibt. Der Schulverband hat in seiner Sitzung am Donnerstag
einstimmig und uneingeschränkt zugestimmt. Schulrat Heinz Fuchs hatte die
Vorzüge der Ganztagsklassen - in Passau gibt es sie seit drei Jahren -
geschildert. Vier Tage in der Woche sind die Kinder ganztags an der Schule,
haben 12 Unterrichtsstunden extra, um Defizite in Mathematik, Deutsch und
Englisch auszugleichen. Außerdem wird ihre Sozialkompetenz gesteigert, zum
Beispiel durch eine Kooperation mit einem Altenheim, wo die jungen Leute die
Senioren besuchen. Und schließlich dient sie der Berufsvorbereitung. Denn
für 6000 Euro pro Jahr darf die Schule sich externe Kräfte ins Boot holen,
zum Beispiel Schreiner oder Floristen, die die handwerklichen Fähigkeiten
der Schüler stärken. |

Sind sich einig, dass sie die
Ganztagsklasse wollen (v.l.):
Die Bürgermeister Josef Jakob und Alois Bachmeier, Rektor Helmut Gabriel,
Schulrat Heinz Fuchs,
Verbandsrat Hans Kojer und Bürgermeister Alois Brundobler.
Foto: Jörg Schlegel |
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Wirtschaft braucht
auch Hauptschüler |
Weitere Beschäftigungen am Nachmittag sind Sport, Musik oder Kunst.
Durch all dies soll erreicht werden, dass alles Absolventen der
Hauptschule ausbildungsfähig werden und eine Lehrstelle finden. Denn:
„Die Wirtschaft wirft den Hauptschulen vor, dass ihre Schüler nicht
ausbildungsfähig sind“, weiß Fuchs. Rund 35 Prozent aller Kinder
besuchen eine Hauptschule, aufgrund der sinkenden Geburtenzahlen braucht
die Wirtschaft auch die Hauptschüler. Darin sieht Fuchs eine Chance. Und
diese Chance sehen auch die Vertreter des Schulverbands. „Wenn wir es
jetzt nicht schaffen, die so genannte Restschule Hauptschule in ein
anderes Licht zu rücken, dann schaffen wir es überhaupt nicht mehr“,
betonte Pockings Bürgermeister Josef Jakob. „Wir müssen die Ausbildung
an die erste Stelle setzen“, stimmte ihm Bad Füssings Bürgermeister
Alois Brundobler zu. Und sein Tettenweiser Amtskollege Alois Bachmeier
betonte: „Die Hauptschüler sollen wieder ein anderes Ansehen in der
Öffentlichkeit bekommen.“ Handlungsbedarf ist laut Helmut Gabriel,
Rektor der Pockinger Hauptschule, vorhanden: Ein „erheblicher
Prozentsatz“ der Schüler komme aus einem schwierigen sozialen Umfeld,
habe Eltern, die sich durch „Bildungsferne“ auszeichnen. Diese Schüler
gelte es gezielt zu fördern. Und dazu brauche man „Personen, Raum und
Geld“. Die zwölf zusätzlichen Lehrerstunden können laut Helmut Gabriel
mit den vorhandenen Lehrern abgedeckt werden. Was die zusätzlichen
Betreuer angeht: „Wir sind gerade dabei, Kontakte im
tänzerisch-musischen Bereich zu knüpfen“, erzählt Gabriel. Außerdem will
er Vereine und Organisationen wie Jugendrotkreuz und Jugendfeuerwehr mit
ins Boot holen. Und Ausschau halten nach weiteren qualifizierten
Personen. „Vielleicht findet sich ja ein pensionierter
Handwerksmeister“, schwebt dem Rektor vor. |
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Das
alles kostet den Schulverband beziehungsweise die Kommune nichts. Anders
sieht es hingegen beim Raumbedarf aus. Dadurch, dass die Schülerzahlen
zurückgehen, gibt es Vakanzen an der Hauptschule. Aber ob die reichen,
steht nicht fest. Die Ganztagsklasse wird auch mal gesplittet, die
Schüler je nach Leistungsstand in zwei Gruppen geteilt und von zwei
Lehrern unterrichtet. Das funktioniert nicht in einem Klassenzimmer. „Es
gibt mehr Stunden, mehr Angebote, also brauchen wir mehr Raum“, ist
Rektor Gabriel klar. Bürgermeister Josef Jakob kündigte an, dass es am
Raum nicht scheitern wird. Kämmerer Herbert Staudinger sieht da ein
zeitliches Problem. |
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Generalsanierung
des Kollegbaus? |
Der
Kollegbau der Schule verbraucht mehr Energie als die gesamte restliche
Hauptschule. Das beweist ein Wärmegutachten. Was auf alle Fälle
passieren muss, ist eine Energiesanierung. Kostenpunkt: rund 300 000
Euro. Schon vor einem dreiviertel Jahr hat Staudinger bei der Regierung
einen „Raumprogrammantrag“ gestellt um abzuklären, wie sich der
Raumbedarf in der Hauptschule entwickeln wird. Die Schülerzahl ist in
den vergangenen drei Jahren um 115 gesunken. Staudinger wollte wissen,
ob eine Energiesanierung reicht oder eine Generalsanierung nötig ist.
Kosten für die Generalsanierung: drei Millionen Euro. Bis heute hat die
Regierung den Antrag nicht bearbeitet, so Staudinger. Der Raumbedarf
müsste nun aber noch dringender geklärt werden. Und schnell. „Es gibt
eine Sonderförderung für Maßnahmen im Zusammenhang mit Ganztagsschulen.
Der Antrag dafür muss aber bis Ende April bei der Regierung sein“, weiß
der Kämmerer. Welchen Prozentsatz die Förderung ausmacht, weiß er aber
noch nicht. Klar ist nur: Die Baumaßnahme muss bis Ende 2009 realisiert
sein, sonst gibt es aus diesem Fördertopf kein Geld. Und auch der Rektor
muss sich beeilen. Anfang April muss er seinen Antrag auf Einrichtung
einer Ganztagsklasse beim Kultusministerium einreichen. Wie viele Eltern
mitmachen, weiß er noch nicht. Die Informationsversammlung zu diesem
Thema findet erst am kommenden Dienstag um 18.30 Uhr in der Hauptschule
statt. Schulrat Heinz Fuchs riet Gabriel jedenfalls, den Antrag auf alle
Fälle zu stellen, auch wenn der genaue Bedarf noch nicht ermittelt ist.
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| Text: Marion
Zauner |
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