Ganztagsbetreuung an der
Pockinger Hauptschule: ein geglücktes Modell (Nov. 2002)
Größere Bilder? Anklicken!
Download Flyer "Ganztagsbetreuung" an der Hauptschule Pocking
![]()
Weitere Informationen:
![]()
![]()
und dann weiterklicken auf: ...\Eltern\Ganztagsangebote
|
Im Rahmen einer Fortbildungswoche für alle niederbayerischen Schulräte wurden 8 der 16 Ganztagsbetreuungsstätten für Hauptschüler in Niederbayern besucht. Der Hauptschule Pocking statteten der Lehrgangsleiter Leitender Regierungsschuldirektor Anton Kreuz von der Regierung von Niederbayern sowie die beiden Schulamtsdirektoren Roman Biberger (Rottal-Inn) und Herbert Schedlbauer (Straubing) einen Besuch ab, um hier Erfahrungen mit Ganztagsbetreuung aus den bisherigen Jahren mit Schulleiter Willi Götz und der sozialpädagogischen Fachkraft, Ulrike Grassl, auszutauschen und das Pockinger Angebot „in Natura“ genauer kennen zu lernen. Das Bistroteam unter Mitarbeit von Ute Krüger ließ es sich nicht nehmen, die hohen Gäste angemessen zu bewirten. |
![]() |
|
Einige wenige Schulen gäben schon, wie die Hauptschule Pocking, seit drei Jahren eine in seinen Augen richtige Antwort auf zunehmende Belastungen in den Familien, erläuterte Regierungsschuldirektor Anton Kreuz zu Beginn des intensiven Gedankenaustausches. Schulen müssten neben ihren klassischen Aufgaben der Vermittlung von Wissen und Können verstärkt Möglichkeiten für sinnvolle Freizeitgestaltung sowie Betreuung bei Hausaufgaben und Förderung bei Lerndefiziten anbieten. So könnten Schulen glaubwürdige Lern- und Lebensorte werden, wo die Schüler ihre Persönlichkeit umfassend entwickeln und sich so für ihr Leben besser vorbereiten könnten, unterstrich der Regierungsschuldirektor der niederbayerischen Bezirksregierung in Landshut. |
Ltd. Regierungsschuldirektor Anton Kreuz: Angebot an Möglichkeiten für sinnvolle Freizeitgestaltung, sowie Betreuung bei Hausaufgaben und Förderung bei Lerndefiziten als Aufgabe der Hauptschulen |
|
Mit gewissem Stolz nannte er die Zahl von etwa 370 Schüler, die an Ganztagsbetreuungen an niederbayerischen Hauptschulen täglich anzutreffen seien. Damit liege Niederbayern, bezogen auf die Einwohner- und Gesamtschülerzahl, bayernweit an der Spitze und betreue z. B. weit mehr Jugendliche als die Oberpfalz oder die fränkischen Bezirke. Der Bedarf würde jedes Jahr steigen, erläuterte Anton Kreuz die Statistiken, do dass in den nächsten fünf Jahren jeweils 15 weitere neue Einrichtungen geschaffen würden. Besonders erleichtert sei er, so Kreuz, dass die überall notwendigen Sparmaßnahmen die Bereiche der Schulsozialarbeit und der Ganztagsbetreuung eben nicht betreffen würden. Es freue ihn auch, dass die Hauptschule Pocking zusammen mit der HS in Eggenfelden zu den „ältesten“ niederbayerischen Einrichtungen dieser Art gehörten, an beiden Schulen gäbe es bereits seit drei Jahren eine Ganztagsbetreuung. In der Stadt Passau betreibe der FC Passau seit zwei Jahren eine derartige Einrichtung zusammen mit verschiedenen Schularten. Neu seien in diesem Jahr im Raum Passau die Hauptschulen in Fürstenzell, Passau-Grubweg und Wegscheid dazugekommen, fuhr Kreuz fort. |
Niederbayern
liegt - was die Zahl der ganztagsbetreuten Schüler betrifft - bayernweit
an der Spitze.
Hauptschulen Pocking u. Eggenfelden zählen zu den ältesten Einrichtungen dieser Art in Niederbayern |
|
Es gäbe genaue Richtlinien hinsichtlich eines Ganztagsangebotes, das von täglicher Mittagsverpflegung über Hausaufgabenbetreuung bis hin zur persönlichen Beratung in Krisensituationen reiche; dies müsse nach Unterrichtsende an mindestens vier Tagen in der Woche ohne Einschränkung offen und jeweils bis 16:30 Uhr angeboten werden. |
Ganztagsangebot beinhaltet Mittagsverpflegung, Hausaufgabenbetreuung u. persönliche Beratung in Krisensituationen |
|
Schulleiter Willi Götz erläuterte den Einsatz der pädagogischen Fachkraft, Ulrike Grassl, die seit diesem Schuljahr diesen umfangreichen Arbeitsbereich an der Pockinger Hauptschule mit großem Einsatz ausfüllt: Sie berate Schüler und Eltern und unterstütze somit auch die Arbeit der Lehrkräfte wesentlich. Für Problemfälle erstelle sie eingehende Beratungspläne und koordiniere die Zusammenarbeit der hierzu nötigen Einrichtungen. Sie sei oft in der Praxis-Klasse eingesetzt, erklärte Götz, wobei sie hier die Betriebspraktika mitbetreue und - neben dem Praxisklassenleiter - Gespräche mit Betriebsleitern und Praktikanten führe. Daneben sei sie bereits in einige Arbeitsgemeinschaften eingebunden, vor allem im „Bistro“. Sie arbeite in der Schülermitverantwortung ebenso mit wie bei der Schulung der Klassensprecher in Gesprächs- und Moderationstechniken. Zusätzlich listete der Schulleiter noch die offene Betreuung als einen wesentlichen Bestandteil ihres Aufgabengebietes auf und meinte, eine Fachkraft allein könne bei diesem Pensum schnell an ihre Grenze stoßen. |
umfangreicher
Arbeitsbereich der sozialpädagogischen Fachkraft Ulrike Grassl: |
|
Ulrike Grassl bezeichnete es als sehr positiv, dass sie durch ihre Mitarbeit beim Projekt „Lions Quest“ auch in Klassen komme, in denen keine „Problematik“ im engeren Sinn feststellbar sei. Dadurch lerne sie sehr viele Schüler kennen und könne dabei sehen, welchen Jugendlichen sie an den Nachmittagen ein gezieltes Angebot machen könne. Die neue Basketballgruppe sei für sie eine sehr wichtige Schiene, auf natürliche Art mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen. Durch die Offenheit des Angebotes würden viele von der Straße weggeholt werden, könnten aber hier ihre Freiheit genießen und seien doch unter Aufsicht, war sich Ulrike Grassl sicher. Von großem Vorteil sei auch ihre Mitarbeit im Kreis der Verantwortlichen des benachbarten Jugendzentrums der Stadt Pocking, wo sie einige Schüler wieder antreffen könne und Barrieren nicht entstehen könnten. |
|
|
Ihr „jüngstes Kind“ sie eine Basketballgruppe, in der ältere Schüler jüngere in die Kunst dieser so beliebten Sportart einführen würden. Jeder, auch die Verantwortlichen, hätten eine Lizenz unterschrieben und sich dadurch festen Regeln verpflichtet, wobei die Hauptverantwortung bei ihr selbst liege, führte Grassl aus. |
![]() |
|
Dieses „Tutorensystem“ begrüßte Leitender Regierungsschuldirektor Kreuz sehr. Hier könnten auch außerschulische Personen einbezogen werden, sollten die Schülerzahlen in Zukunft deutlich ansteigen. Anton Kreuz bestätigte, dass der Schule und dem Träger in der Ausgestaltung einer Ganztagsbetreuung individuelle Freiräume gewährt würden und die Schulaufsicht nur dann regulierend eingreife, wenn das pädagogische Konzept der Einrichtung außer Sichtweite gerate. Die Fachaufsicht hierüber läge bei den Schulämtern. |
Individuelle Freiräume bei der Ausgestaltung der Ganztagsbetreuung zugesichert |
|
Willi Götz unterstrich den großen Vorteil, dass Ulrike Grassl an der Schule auch vormittags eingebunden sei und somit an ihr kaum Entwicklungen oder Informationen vorbeilaufen könnten. |
|
|
Schulamtsdirektor Schedlbauer bewunderte während des Gesprächs die natürliche und ruhige Atmosphäre in der neuen Aula, in der ein Hauptteil der offenen Ganztagsbetreuung am Nachmittag stattfindet. An einem großen Billard- und Kickertisch verbrachten Jugendliche wie gewohnt ihre Freizeit nach dem warmen Essen. Eine gemütlichen Sitzecke, durch Regale mit vielen Gesellschaftsspielen vom großen Raum abgeteilt, wird lebhaft frequentiert. |
|
|
Ulrike Grassl lobte die günstigen räumlichen Gegebenheiten: Neben der Turnhalle des Kollegbaus schließe sich der Sportplatz auf dem gut eingefriedeten Gelände über die Terrasse an die Aula an, ein großes Gebiet, auf dem sich durchschnittlich 20 bis 30 Schüler verteilen würden. |
Günstige
räumliche Gegebenheiten: Aula, Bistro, Turnhalle, Sportplatz |
|
Anton Kreuz schilderte die immer wieder angesprochene Finanzierung der klassischen Ganztagsbetreuung. Der Staat würde 40 % übernehmen, der Schulträger 40 % und ungefähr 20% der Kosten müssten über die Eltern aufgefangen werden. Ulrike Grassl hob hervor, dass offene Ganztagsbetreuung dann am stärksten angenommen werde und am erfolgreichsten sei, wenn dem Mittun der Jugendlichen keinerlei Hindernisse entgegen stünden. Diese Einschätzung unterstützte Kreuz ebenfalls. Außerdem würden in der Ganztagsbetreuung verschiedene Begabungen gefördert und auch die Pockinger Realität bestätige, wie falsch die häufig geäußerte Vermutung sei, hier „gefährdete Hauptschüler“ anzutreffen. Verschiedenste Angebote auf dem Gebiet des Sports, der Musik, der Sprachen, des Tanzes oder anderer Liebhabereien würden in ganz Niederbayern für ein vielfältiges Angebot und so zu heterogenen Gruppen führen. Der „Pockinger Glücksfall“, dass die Fachkraft ganztags anwesend sei und es zu einer Verknüpfung von Schulsozialarbeit und Ganztagsbetreuung käme, beeindrucke ihn sehr, lobte Anton Kreuz. |
Kosten der
Ganztagsbetreuung: |
|
Schulamtsdirektor Roman Biberger schilderte die Erfahrungen aus dem Nachbarlandkreis, wo sich gezeigt habe, dass Konzepte für Ganztagsbetreuung für jede Schule individuell zugeschnitten sein müssten, da sich hier im Angebot von Bedarf und Aktivitäten Stadt und Land erheblich unterscheiden würden. |
|
|
Ulrike Grassl erläuterte auch die große integrative Kraft der offenen Ganztagsbetreuung, seien doch nachmittags sehr viele Aussiedlerkinder hier. Bei einem Aussiedleranteil von 28 % sei dies eine besonders wichtige Funktion, die sie hier übernehmen könne. Oft seien in Aussiedlerfamilien beide Eltern berufstätig, meinte Götz, deswegen würden Kinder aus diesen Familien diese Angebote sehr gerne annehmen. Selbst kleinere Geschwister würden daher mitgenommen werden. |
Integrative
Kraft der Ganztagsbetreuung: Kinder aus Aussiedlerfamilien nehmen Angebot gerne an. |
|
Die Regierung von Niederbayern sei sehr dankbar, so Kreuz, dass die Schulleitung der Hauptschule, die sehr erfolgreiche und engagierte Fachkraft Ulrike Grassl, aber auch die Stadt Pocking mit Bürgermeister Jakob, dem Stadtkämmerer und dem gesamten Stadtrat so fördernd hinter dieser Ganztagsbetreuung stehen würden. Dies seien wesentliche Voraussetzungen, so Anton Kreuz weiter, und wichtige Schritte für die innere Schulentwicklung. Diese günstige Pockinger Situation führe auch dazu, das Profil der Pockinger Hauptschule zu schärfen. Ihm sei durchaus bewusst, dass dies keine Selbstverständlichkeit sei. Wenn es wie hier gelinge, alle, die mit Schule zu tun hätten, so zu motivieren, dann könne so viel geschehen wie in Pocking. |
Ltd. RSchD
Kreuz übermittelt den Dank der Regierung v. Niederbayern |
| Bilder und Text: Frieder Köbele |
|
© Mittelschule Pocking |