Chronik 2009-10     Web mit Navigation anzeigen

Vertiefte Berufsorientierung an der Hauptschule Pocking
Erfolgsmodell für den Weg zur Berufswahl und zur Ausbildungsreife

Klasse 8b • Leitung Frieder Köbele

 
Eine Woche lang das Handwerk erfahren derzeit die achten Klassen und die Praxisklasse der Hauptschule Pocking im „Bildungs- und Technologiezentrum“ der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz in Passau-Auerbach. Insgesamt 35 Stunden arbeiten die jungen Buben und Mädchen in den Bereichen: Sanitär/Heizung, Holz/Schreiner, Friseur, Bau-Maurer und Elektrotechnik. Einen ganzen Arbeitstag lang zu stehen, vielfältige und komplexe Arbeitsanweisungen von hochqualifizierten Ausbildern aufzunehmen, körperlich fest zupacken zu müssen und dazu neue und ungewohnte Werkzeuge handhaben zu müssen, das macht ganz schön müde und stellt eine ganz andere Herausforderung dar als einen Vormittag in der Schule zu lernen. Aber Buben wie Mädchen gingen jeden Tag mit Feuereifer an die neuen Aufgaben, oft mussten sie sogar zum Pausieren angehalten werden, so begeistert waren sie von der körperlichen Arbeit und dem Erlebnis, dass unter ihrer Hände Arbeit schöne Werkstücke entstehen.


 

Im Berufsfeld Sanitär/Heizung übten sich die 8.-Klässler unter Anleitung von Thomas Apfelbacher in grundlegenden Verbindungstechniken bei Metallen, dem Verlöten von Kupferrohren und Verschrauben von selbst geschnittenen Gewinden. Nicht etwa die feuergefährliche Lötlampe stellte hier die größte Hürde dar, sondern das Messen und entsprechend genaue Abschneiden der Kupferrohre. Alles musste nach einer Planzeichnung angefertigt werden und sollte möglichst wenig Abweichungen davon aufweisen nd am Ende natürlich wasserdicht sein. Die kräftezehrende Schneidearbeit mit der Blechschere hielten Buben und Mädchen durch und verzierten mit Freude mittels Körner und Hammer ihre Blech-Wetterhähne.
    

 

Schreinermeister August Deragisch begann am nächsten Tag mit Werkstoffkunde der Schreiner und erläuterte an vielen Mustern die Eigenheiten des lebendigen Werkstoffes Holz. Bald mussten die „jungen Schreinerlehrlinge“ an Vierkanthölzchen Sägelinien anreißen und dabei mit Meterstab, Anschlagwinkel und Streichmaß auf Millimeter genau zeichnen. Kopfrechen und räumliches Vorstellungsvermögen war dabei immer wieder gefragt, bis es ans Sägen und Ausstemmen ging, damit anschließend Überplattungen bei einfachen Kreuzen, Topfuntersetzern und am Schluss bei Geschicklichkeits-„Zauberwürfeln“ gelangen. Achtsamkeit und Geduld waren hier gefordert und so Mancher mussten auch kleine Schmerzen ertragen, waren die japanische Säge und das Stemmeisen doch sehr scharf.

Von A-, B-, und Hutlinie erfuhren die Hauptschüler bei Friseurmeisterin Claudia Gerstl und kämmten und bürsteten die Übungsfrisierköpfe mit Naturhaar beinahe hingebungsvoll, um anschließend die entstandenen Haarabteilungen mittels Volumen- und Dauerlockenwicklern fachgerecht zu gestalten. Nicht immer gelang es auf Anhieb, die feinen Haarstränen so auf die Wickler aufzudrehen, dass dieser dann eng an der „Kopfhaut“ anlag. Nach langem Föhnen entstanden tatsächlich sanfte Locken, andere Haarstränen wurden mit elektrischen Geraten geplättet, gedreht oder kleine Zickzack-Muster ins Haar gepresst. Groß war die Begeisterung und die Experimentierfreude, als am Ende die erlernten Grundtechniken an den Mitschülern angewandt werden durften.
  
Maurermeister Richard Maier lernte seinen jungen „Lehrlingen“ am nächsten Tag, wie man einen Aufriss für einen Läuferverbund aufbringt und dass Maurer ebenso genau rechnen und vorzeichnen wie alle anderen bisherigen Handwerke. Bald entstanden aus Kalksandsteinen und Kalkmörtel kleine Mauern, bei denen die Stoß- und Lagerfugen möglichst gleichmäßig dick sein mussten und deren Steine stets mit Wasserwaage und Richtlatte kontrolliert werden mussten. Dass man bei dieser Arbeit natürlich schmutziger wurde und die Haut vor dem ätzenden Kalk gut geschützt werden musste, lernten alle sehr schnell, freuten sich aber über die stets wachsenden Mauern. Welche Überraschung: Zwei Mädchen waren die schnellsten „Maurer“ und erhielten ein sehr gutes Urteil des Meisters bei der abschließenden Begutachtung der Mauern.
 
Eine „einfache Elektroinstallation“ stand am letzten Tag auf dem Plan, doch nicht alle Lampen, die Energie-Fachwirt Franz Putz und Elektroinstallateurmeister Ludwig Paster am Ende des Tages mit 230 V-Strom überprüften, ließen sich an- und ausschalten, wie es der Schaltplan vorsah. Nach diesem mussten die jungen Elektriker Schalter, Lampe und Verteilerdose nach genauen Maßangaben auf eine Holzplatte schrauben, anschließend diese mit mehradrigen Kabeln verbinden, wobei das maßgenaue Abisolieren noch einigermaßen gut gelang. Als es aber daran ging, den verzweigten Stromkreis so zu installieren, dass Fehlerstromschutzleiter, Phase, Nulleiter und Schaltleitung richtig verkabelt waren, kam so Mancher ins Schwitzen. Aber die Belohnung kam am Ende in Form der brennenden Lampen, die die Gesichter zum Leuchten und Lachen brachten.
In dieser Woche entdeckten Viele, dass das Handwerk sehr interessante Tätigkeiten und vielfältige Anforderungen bietet. Sicherlich erleichtert das die Auswahl der Praktikumsberufe und -stellen der 8.-Klässler für das Ende dieses Schuljahres und die unterstützt die Überlegung jedes Einzelnen, welcher Beruf später einmal in Frage kommen könnte.

Text und Fotos: Frieder Köbele

 © Hauptschule Pocking