Vertiefte Berufsorientierung an der Hauptschule Pocking
Erfolgsmodell für den Weg zur Berufswahl und
zur Ausbildungsreife
Klasse 8b
• Leitung Frieder Köbele
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Eine Woche lang das Handwerk erfahren derzeit
die achten Klassen und die Praxisklasse der Hauptschule Pocking im
„Bildungs- und Technologiezentrum“ der Handwerkskammer
Niederbayern-Oberpfalz in Passau-Auerbach. Insgesamt 35 Stunden arbeiten die
jungen Buben und Mädchen in den Bereichen: Sanitär/Heizung, Holz/Schreiner,
Friseur, Bau-Maurer und Elektrotechnik. Einen ganzen Arbeitstag lang zu
stehen, vielfältige und komplexe Arbeitsanweisungen von hochqualifizierten
Ausbildern aufzunehmen, körperlich fest zupacken zu müssen und dazu neue und
ungewohnte Werkzeuge handhaben zu müssen, das macht ganz schön müde und
stellt eine ganz andere Herausforderung dar als einen Vormittag in der
Schule zu lernen. Aber Buben wie Mädchen gingen jeden Tag mit Feuereifer an
die neuen Aufgaben, oft mussten sie sogar zum Pausieren angehalten werden,
so begeistert waren sie von der körperlichen Arbeit und dem Erlebnis, dass
unter ihrer Hände Arbeit schöne Werkstücke entstehen. |
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Im Berufsfeld
Sanitär/Heizung übten sich die 8.-Klässler unter Anleitung von Thomas
Apfelbacher in grundlegenden Verbindungstechniken bei Metallen, dem Verlöten
von Kupferrohren und Verschrauben von selbst geschnittenen Gewinden. Nicht
etwa die feuergefährliche Lötlampe stellte hier die größte Hürde dar,
sondern das Messen und entsprechend genaue Abschneiden der Kupferrohre.
Alles musste nach einer Planzeichnung angefertigt werden und sollte
möglichst wenig Abweichungen davon aufweisen nd am Ende natürlich
wasserdicht sein. Die kräftezehrende Schneidearbeit mit der Blechschere
hielten Buben und Mädchen durch und verzierten mit Freude mittels Körner und
Hammer ihre Blech-Wetterhähne.
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Schreinermeister August Deragisch begann am
nächsten Tag mit Werkstoffkunde der Schreiner und erläuterte an vielen
Mustern die Eigenheiten des lebendigen Werkstoffes Holz. Bald mussten die
„jungen Schreinerlehrlinge“ an Vierkanthölzchen Sägelinien anreißen und
dabei mit Meterstab, Anschlagwinkel und Streichmaß auf Millimeter genau
zeichnen. Kopfrechen und räumliches Vorstellungsvermögen war dabei immer
wieder gefragt, bis es ans Sägen und Ausstemmen ging, damit anschließend
Überplattungen bei einfachen Kreuzen, Topfuntersetzern und am Schluss bei
Geschicklichkeits-„Zauberwürfeln“ gelangen. Achtsamkeit und Geduld waren
hier gefordert und so Mancher mussten auch kleine Schmerzen ertragen, waren
die japanische Säge und das Stemmeisen doch sehr scharf. |
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Von A-, B-, und Hutlinie erfuhren die
Hauptschüler bei Friseurmeisterin Claudia Gerstl und kämmten und bürsteten
die Übungsfrisierköpfe mit Naturhaar beinahe hingebungsvoll, um anschließend
die entstandenen Haarabteilungen mittels Volumen- und Dauerlockenwicklern
fachgerecht zu gestalten. Nicht immer gelang es auf Anhieb, die feinen
Haarstränen so auf die Wickler aufzudrehen, dass dieser dann eng an der
„Kopfhaut“ anlag. Nach langem Föhnen entstanden tatsächlich sanfte Locken,
andere Haarstränen wurden mit elektrischen Geraten geplättet, gedreht oder
kleine Zickzack-Muster ins Haar gepresst. Groß war die Begeisterung und die
Experimentierfreude, als am Ende die erlernten Grundtechniken an den
Mitschülern angewandt werden durften. |
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Maurermeister Richard Maier lernte seinen
jungen „Lehrlingen“ am nächsten Tag, wie man einen Aufriss für einen
Läuferverbund aufbringt und dass Maurer ebenso genau rechnen und vorzeichnen
wie alle anderen bisherigen Handwerke. Bald entstanden aus Kalksandsteinen
und Kalkmörtel kleine Mauern, bei denen die Stoß- und Lagerfugen möglichst
gleichmäßig dick sein mussten und deren Steine stets mit Wasserwaage und
Richtlatte kontrolliert werden mussten. Dass man bei dieser Arbeit natürlich
schmutziger wurde und die Haut vor dem ätzenden Kalk gut geschützt werden
musste, lernten alle sehr schnell, freuten sich aber über die stets
wachsenden Mauern. Welche Überraschung: Zwei Mädchen waren die schnellsten
„Maurer“ und erhielten ein sehr gutes Urteil des Meisters bei der
abschließenden Begutachtung der Mauern. |
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Eine „einfache Elektroinstallation“ stand am
letzten Tag auf dem Plan, doch nicht alle Lampen, die Energie-Fachwirt Franz
Putz und Elektroinstallateurmeister Ludwig Paster am Ende des Tages mit 230
V-Strom überprüften, ließen sich an- und ausschalten, wie es der Schaltplan
vorsah. Nach diesem mussten die jungen Elektriker Schalter, Lampe und
Verteilerdose nach genauen Maßangaben auf eine Holzplatte schrauben,
anschließend diese mit mehradrigen Kabeln verbinden, wobei das maßgenaue
Abisolieren noch einigermaßen gut gelang. Als es aber daran ging, den
verzweigten Stromkreis so zu installieren, dass Fehlerstromschutzleiter,
Phase, Nulleiter und Schaltleitung richtig verkabelt waren, kam so Mancher
ins Schwitzen. Aber die Belohnung kam am Ende in Form der brennenden Lampen,
die die Gesichter zum Leuchten und Lachen brachten. |
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In dieser Woche entdeckten Viele, dass das
Handwerk sehr interessante Tätigkeiten und vielfältige Anforderungen bietet.
Sicherlich erleichtert das die Auswahl der Praktikumsberufe und -stellen der
8.-Klässler für das Ende dieses Schuljahres und die unterstützt die
Überlegung jedes Einzelnen, welcher Beruf später einmal in Frage kommen
könnte. |
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Text und Fotos: Frieder Köbele |