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Würdigung
der Arbeit des Streitschlichter-Teams der
Hauptschule Pocking 2009 |
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Das Sensationelle an der Sache ist, dass sie nichts Spektakuläres zu bieten hat. Wo Konflikte in ruhiger, sachlicher Atmosphäre auf gleicher Augenhöhe gelöst werden, erstickt die Eskalation im Keim. Dafür stehen an der Pockinger Hauptschule die Streitschlichter - seit etwa zehn Jahren eine Institution, die sich bewährt hat und „die Schule bereichert", wie Rektor Christoph Sosnowski versichert. Fünf Jugendliche aus der Klasse 10 M sind als Streitschlichter aktuell Ansprechpartner für ihre Mitschüler. „Wir sind da, wenn sich jemand ausgegrenzt fühlt, gehänselt oder sogar gemobbt wird", sagt Anna Edmeier (16), die zusammen mit ihren vier „Kollegen" Monika Klimkiewicz (16), Annika Pöppl (15), Dominika Czyz (15) und Patrick Robl (15) eine wichtige Aufgabe an der Hauptschule erfüllt. Vor zwei Jahren ließen sie sich als Streitschlichter schulen und sind mittlerweile richtige Profis, die ihre Nachfolger im Rahmen eines Castings selbst auswählen. Die Streitschlichter stehen für gutes soziales Klima an der Schule und für Gewaltprävention. „Raufereien in der Pause gibt es bei uns gar nicht", sagt Patrick. Dafür investiert das Team Zeit und Energie: Einmal in der Woche sind die Jugendlichen im Bistro der Schule präsent, sie sind bei Veranstaltungen vertreten, machen zu Schuljahresbeginn in den 5. und 6. Klassen stets darauf aufmerksam, dass sie als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die fünf jungen Leute haben einen ebenso einfachen wie ehrenhaften Beweggrund: „Helfen, das ist doch ein Muss!", meint Patrick.
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Das Streitschlichter-Team der Klasse 10a (v. li.):
Monika Klimkiewicz, Dominika Czyz, Patrick Robl, Anna Edmeier, Annika Pöppl |
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Von Anfang an betreut der Lehrer Hans Kojer die pädagogische Methode der Mediation. Unterstützung erhält er von der Schul-Sozialarbeiterin Uli Graßl. Kojer spricht gezielt geeignete Schülerinnen und Schüler an, die in Rollenspielen das richtige Verhalten lernen. Als kleines „Bonbon" gibt's ein 2-tägiges Seminar im Haus der Jugend in Passau, das hilft, die Gruppe zusammenzuschweißen. Es gehe darum, Konflikte zu erkennen, die Hintergründe eines Problems zu ergründen, erklärt Kojer. Natürlich werden die Lehrkräfte dank des Engagements der Streitschlichter von Alltagskonflikten der Schüler entlastet, doch das ist nicht das Entscheidende. Die Idee der Mediation beruht auf der schlichten Tatsache, dass Schüler untereinander häufiger und unkomplizierter miteinander ins Gespräch kommen. „Einem Lehrer erzählt man bestimmte Dinge nicht so leicht wie einem Mitschüler", weiß die 15-jährige Annika. Manchmal weist Hans Kojer die Streitschlichter auf ein Kind hin, das Probleme hat. Aber meist kommen die Schüler von selbst auf die Mediatoren zu. „Vieles bekomme ich gar nicht mit - und das ist gut so", sagt Hans Kojer stolz. Die Schlichtung läuft stets nach dem selben Schema ab. Gegenseitiger Respekt spielt dabei eine wichtige Rolle. „Meistens wird eine Vereinbarung getroffen oder ein Kompromiss gefunden", hat Patrick gute Erfahrungen als Streitschlichter gemacht. Und wenn die streitenden Parteien doch mal nicht zusammenkommen, bringen die Streitschlichter sie zumindest so weit, dass sie sich aus dem Weg gehen und den Konflikt nicht neu schüren. Immer zwei Streitschlichter sind bei einem Gespräch dabei. Ihr „tollstes Erlebnis" hatten Anna und Monika bei einem solchen Zusammentreffen vor etwa einem Jahr. Sie schafften es, dass ein Mädchen, das von der Klassengemeinschaft ausgeschlossen war, am Ende wieder voll integriert wurde. Über solche Erfolge freuen sich die Streitschlichter im Stillen. Ehrensache, dass nichts nach außen dringt. Es ist die Summe der kleinen Dinge, die das Große schafft: Der richtige Umgangston, Toleranz, gegenseitiger Respekt und eine Portion Mut helfen, so manche Konfliktsituation an der Schule zu lösen, Gewaltpotenziale abzubauen. Das ist beachtlich - und genau betrachtet sogar eine kleine Sensation. Text: Carmen Keller PNP |
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