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10 Jahre Praxisklasse an der Hauptschule Pocking |
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Vor zehn Jahren startete ein Zweig an der Pockinger Hauptschule, die „Praxisklasse“, die ihre Schüler, die oft den Mut zur Anstrengung verloren haben, wieder aufbaut; sie werden in den Lernfächern individuell gefördert, sind insgesamt acht Schulwochen in Ausbildungsbetrieben, werden dort begleitet und stets sozialpädagogisch beraten und gestützt. All dies geschieht, um möglichst viele von ihnen in eine Berufsausbildung zu entlassen. Dieses hohe Ziel hat die Pockinger Praxisklasse von Anfang an in überzeugender Weise erreicht: Der Anteil der Schüler, die nach dieser Klasse in ein Ausbildungsverhältnis wechseln, liegt deutlich über dem der „Regelklassen“. In Bayern wurden erstmals im Schuljahr 1999/2000 an 30 verschiedenen Hauptschulen eine Praxisklasse eingerichtet. In Pocking übernahm im Schuljahr 2000/2001 Konrektor Ferdinand Pichler die erste Praxisklasse, damals war es eine von drei niederbayerischen Klassen dieser Art. Mittlerweile gibt es in unserem Landkreis in Passau und in Vilshofen eine weitere Praxisklasse, in ganz Niederbayern bereits 18. Auch auf Schulamtsebene war Ferdinand Pichler ein Wegbereiter dieser damals neuen Einrichtung. Zugleich begann vor zehn Jahren auch die Sozialarbeit an der Pockinger Hauptschule, die während der Hälfte ihrer Arbeitszeit die Praxis-Klasse sozialpädagogisch begleitet. So kam zum Schuljahr 2002/2003 Ulrike Graßl als neue Sozialarbeiterin an die Schule, die neben dem Klassenleiter eine überaus wichtige Ansprechpartnerin der Praxisklassen- und aller anderen Schüler wurde. Seit dem Schuljahr 2003/2004 leitet Lehrer Ulrich Weißer diese Klasse. Die Statistik lässt im Einzelnen erkennen, dass die beträchtlichen Finanzmittel, die zum größten Teil von der Europäischen Union kommen, sehr gut angelegt sind: Von den bisher insgesamt 155 Praxisklassenschülern haben 33 durch eine freiwillige schriftliche und mündliche Prüfung das Zeugnis zum „erfolgreichen Hauptschulabschluss“ erhalten, 80 Buben und Mädchen konnten erfolgreich in ein Ausbildungsverhältnis nach der Schule wechseln, also mehr als die Hälfte aller bisherigen Schüler. Die häufigsten Berufe sind Koch, Einhandelskaufleute, Hotelfachleute, Maler und Lackierer sowie Altenpfleger. Dem freiwilligen Eintritt in die Praxisklasse geht immer ein eingehendes Beratungsgespräch mit den Eltern und den Interessenten voraus, die im achten oder neunten Jahr die Schule besuchen oder die Förderschule absolviert haben. Meist sorgen Lernlücken in den Kernfächern dafür, dass der erfolgreiche Hauptschulabschluss in der Regelklasse 9 nicht erreicht werden kann. In der Praxis-Klasse erhalten sie Hilfestellungen von erfahrener Hand bei der Vermittlung von Praktikums- und Ausbildungsstellen und die Möglichkeit, die Hauptschule erfolgreich abzuschließen. |
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Foto (J. Schlegel) Über die zehnte
Praxisklasse an der Hauptschule Pocking freuen sich (hintere Reihe v. li.)
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Der Unterricht konzentriert sich auf das Grundwissen der Hauptschule in den Fächern Deutsch, Mathematik, dem Sachunterricht (vor allem Arbeitslehre, Geschichte und Sozialkunde), Ethik und Sport. Der Lehrer hat die Möglichkeit, sein Tempo den Lernfortschritten seiner Schüler optimal anzupassen. Eine Pockinger Besonderheit ist die Aufgabe der Praxisklassenschüler, zwei Tage pro Monat im schuleigenen Bistro mitzuarbeiten. Die Schüler sind darüber hinaus viermal jeweils zwei Wochen in einem Praktikumsbetrieb der näheren Umgebung, den sie sich meist selbst suchen. Auch an der Maßnahme zur „Vertieften Berufsorientierung“ der Handwerkskammer Niederbayern und Oberpfalz nimmt diese Klasse zusammen mit den achten Klassen teil. Im Zeugnis der Praxisklasse werden neben den schulischen Leistungen auch deren Arbeitsweise in den Praktika gewürdigt. Den regulären Unterricht bereichert ein umfangreiches Programm in jedem Schuljahr, das die Jugendlichen bestmöglich auf ihr späteres Leben vorbereiten soll: Teambildungstage, Berufsschultage, Sucht- und Gewaltpräventions-Aktionen, AIDS-Projekte, Besuche im Berufsinformationszentrum, Informationen durch „Pro Familia“ und spezielle Bewerbungstrainings. Überaus wichtig ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Ulrich Weißer, Ulrike Graßl und dem Berufsberater Reinhold Zillner von der Arbeitsagentur Passau, der häufig zu Beratungen im Hause ist. Die Stadt Pocking hat bald nach der Einführung dieser Einrichtung erkannt, dass auch ihre Investitionen in diese Einrichtung deswegen gut angelegt sind, weil diese helfen, die Gefahr einer späteren Arbeitslosigkeit zu verringern, deren Kosten für den Staat wesentlich höher sind. Alle Schulleiter der Hauptschule Pocking, nicht zuletzt Rektor Christoph Sosnowski, sahen und sehen in der Praxisklasse einen unverzichtbaren Bestandteil auch im Rahmen der kommenden Mittelschule mit dem Profil Technik, weil diese das Ziel anstrebt, alle Hauptschüler noch besser zu fördern. Die günstigen Bedingungen für die Praxisklasse ermöglichen eine Erziehung zu einer starken Persönlichkeit, die hier besonders wichtig ist, auch weil diese Klasse wesentlich weniger Schüler als die anderen Klassen hat. Aus diesem Grund kann hier auch eine bestmögliche Einzelbetreuung und Förderung erfolgen, wichtigste Grundlage des späteren Erfolges und eines gelingenden beruflichen und privaten Lebens. |
| Text: Frieder Köbele |
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© Hauptschule Pocking |