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Vernissage zum Kunstprojekt AIDS an der Hauptschule Pocking 2009
 

 

KreAtive, inspirIerte, JugenD, Pockinger HauptSchüler zeigen Kunstwerke im Rathaus

Beinahe zu einem mitreißenden Paukenschlag geriet die Ausstellungseröffnung im Atrium des Pockinger Rathaus, als am Freitagabend die Ergebnisse des Kunstprojektes der landkreisweiten Aids-Aktionstage an der Pockinger Hauptschule der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Die von Doris Stankewitz, Aids-Beratungsstelle Passau, und von Sylvia Seider-Rosenlehner, Staatliches Gesundheitsamt initiierte und betreute Aktion bewegte über 60 Schülerinnen und Schülern aller achten Klassen und der Praxisklasse dazu, unter der Anleitung von Christine Jovanovic, Sylvia Gnatz, Wolfram Schnitzler und Christian Zeitler, allesamt Mitglieder im „Berufsverband Bildender Künstler (BBK)“, das Wichtigste über AIDS und HIV zu verarbeiten und bildnerisch auszudrücken (wir berichteten).

Diplomsozialpädagogin Sylvia Seider-Rosenlehner begrüßte die Geistlichkeit, die Bürgermeister Franz Schönmoser, Georg Hofer, Franz Holub, Alois Brundobler, Jürgen Fundke und Robert Stieglmayr, stellvertretende Landrätin Gerlinde Kaupa, Kreisrat Christian Hanusch, die Stadträte Marianne Freudenstein und Christian Plach, AWO-Bezirksvorsitzenden Siegi Depold, Hubert Huber vom Berufsverband Bildender Künstler samt seinen Kollegen, viele Lehrkräfte der Hauptschule und vor allem die zahlreich erschienen „Hauptpersonen“ des Abends, die Schüler samt ihren Eltern. Großen Anklang habe diese Aktion an den insgesamt vier Hauptschulen im Landkreis gefunden, in Pocking sei angesichts der vielen Teilnehmer mit vier Künstlern das „größte Aufgebot“ aufgestellt worden, hier seien die Aktionstage auch schließlich zum Abschluss gekommen. Nach einem vor beinahe einem Monat abgehaltenen Informations-Workshop in den Klassen hätten am 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, an der Pockinger Hauptschule vier Klassen mit beinahe überschäumender Begeisterung gemalt, gegipst und sogar gefilmt. Einige hätten sogar aus Begeisterung bis in den Nachmittag hinein gearbeitet, berichtete Seider-Rosenlehner.

Die Künstler erläutern die Arbeiten „ihre Schüler“ (v. re.) Anita Klett (8b), Schulsozialarbeiterin Ulrike Graßl, Sylvia Gnatz, Christine Jovanovic, Christian Zeitler (bildende Künstler), Hubert Huber (Vors. Des BBK), Bürgermeister Franz Krah, Doris Stankewitz (Aids-Beratungsstelle Passau), Sylvia Seider-Rosenlehner (Gesundheitsamt), Pfarrer Axel Conrad und Melissa Walch (8a)

Bürgermeister Franz Krah, Vorsitzender des Schulverbandes „seiner“ Hauptschule und Hausherr, ließ es sich trotz eng gefüllten Terminkalenders nicht nehmen, die Ausstellung feierlich zu eröffnen. Er halte es in der heutigen Zeit für überaus wichtig, dass sich die Jugend mit dem Thema Aids nicht nur in Wort und Schrift beschäftige, sondern auch die Gelegenheit nutze, die erworbenen Informationen zu verarbeiten. So werde dieses Thema angemessen ins Bewusstsein der Heranwachsenden gehoben. Wenn sich dann deren Kreativität in farbenprächtigen und großformatigen Werken ausdrücken könne, sei das Rathaus als vielfach genutzter Ort der Begegnung ein idealer Raum für eine Kunstausstellung dieser Art. Er freue sich, so Krah weiter, dass diese wunderschönen Werke bis Weihnachten im Rathaus besichtigt werden könnten. Christian Hanusch, Leiter der Stadtverwaltung, habe keine Mühe gescheut, das Atrium in den nächsten Wochen dafür von anderen Ausstellungen frei zu halten.

Konrektor Frieder Köbele dankte den Initiatoren der Aktionstage und dem Pockinger Bürgermeister für die tatkräftige und immer wieder auch spontane Unterstützung der Pockinger Hauptschule. Diese Tage, in denen die Jugend von namhaften Künstlern begleitet wurden, bleibe sicherlich für immer in der Erinnerung der Buben und Mädchen und habe so zu einem besonders nachhaltigen Lernen beigetragen. Ein weiterer Dank Köbeles galt der Schulsozialarbeiterin Ulrike Graßl dafür, dass sie dieses Projekt „an Land gezogen“ habe.

Ulrike Graßl freute sich vor allem über die zahlreich erschienene Schüler, aber auch dass diesem wertvollen Projekt der reguläre Unterricht einen ganzen Tag lang weichen durfte und es dadurch den Jugendlichen möglich wurde, neue Erfahrungen zu sammeln und auch mit Staunen zu erleben, wozu sie selbst im Stande seien. In den vier Kunstgruppen sei es immer zu intensiver Teamarbeit und gegenseitiger Rücksicht gekommen, was angesichts des Themas ein besonders glücklicher Zufall gewesen sei. Beim Thema Aids ginge es auch darum, sich seiner Verantwortung für den Mitmenschen oder Partner mehr und mehr bewusst zu werden.

Hubert Huber, Vorsitzender des BBK, freute sich, dass die im Landkreis tätigen Künstlerinnen und Künstler immer wieder von verschiedenen Einrichtungen zu Kunstprojekten an Schulen eingeladen würden. Er sehe darin nicht nur die Gelegenheit, gesellschaftlich relevante Themen mit der Sprache der bildenden Kunst auszudrücken, sondern auch die Chance, Schülerinnen und Schüler über den Kunsterziehungsunterricht hinaus an künstlerische Ausdrucksformen heranzuführen.

Sylvia Gnatz erläuterte mit Anita Klett und Melissa Walch, dass die Kondom-Installation dieser Gruppe das Schutzbedürfnis ansprechen und ausdrücken soll, das diese vielfach noch tabuisierten Mittel vermitteln. Hinter einer transparenten Wand aus folierten Präservativen sei beides zu spüren: Der mögliche Kontakt miteinander aber auch schützende Undurchlässigkeit. Zahlreiche mit Gips gefüllte Kondome mutierten auf einem rohen Brett aufgestellt zu einer Landschaft, hinter der ein Videofilm den Projekttag in der Schule dokumentierte.

Christine Jovanovic ließ ihre Gruppe mit verteilten Buchstaben dazu aufrufen, Aids keine Chance zu geben. Dabei habe jeder so viel zum Gesamtbild beigetragen, wie es ihm individuell möglich gewesen und wie weit er bereit gewesen sei.

Christian Zeitler betreute vier Vierergruppen, deren quadratische Keilrahmen jeweils zu einem größeren, auf der Spitze stehenden Quadrat angeordnet wurden. Durch geschlitzte Leinwände quellen wurmartige Gebilde hervor, in denen der Betrachter die Gefahr einer HIV-Infektion sehen kann.

Alle Künstler waren sehr beeindruckt von dem Eifer ihrer Schützlinge und empfanden bei dieser Arbeit selbst auch sehr viel Freude.

 

Fotos und Text: Frieder Köbele

 © Hauptschule Pocking